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Freiheit der Kunst oder politische Sippenhaft?

Wenn die Nationalität zum Filter für die Existenzberechtigung von Kunst wird, stirbt der freie Diskurs. Viele der israelischen Künstler, die boykottiert werden, sind oft diejenigen, die in ihren Werken die Besatzung kritisieren, sich für Minderheiten einsetzen und den Dialog suchen. Sie zu boykottieren bedeutet, die Stimmen des Friedens zum Schweigen zu bringen.

Ein betroffener israelischer Künstler brachte es treffend auf den Punkt: Ein Boykott der Kunst verhindert genau den Austausch, der gerade in Krisenzeiten so notwendig wäre. Er plädiert dafür, dass man ihn als Künstler nicht mit der Politik der aktuellen Regierung gleichsetzen darf. Gerade die Kunstwelt, die sich so oft Toleranz, Vielfalt und Inklusion auf die Fahnen schreibt, scheitert momentan massiv daran, diese Werte auf israelische Künstler anzuwenden.

Wenn man Menschen aufgrund ihrer Herkunft ausschließt, betreibt man genau die Ausgrenzung, die man eigentlich bekämpfen möchte. Kunst sollte dort Brücken bauen, wo die Politik nur noch Mauern errichtet.
Pauschale Boykotte sind eine Form von politischer Sippenhaft, die mit zweierlei Maß misst und den menschlichen Kern der Kunst zerstört.
Wollen wir eine Kunstwelt, die nach Pässen sortiert, oder eine, die den mutigen Dialog über Grenzen hinweg fördert?